Bundeslagebild 2025: 683 OK-Verfahren und 7.988 Tatverdächtige – junge, digital vernetzte Strukturen geraten stärker in den Fokus
BERKİN – Die Organisierte Kriminalität in Deutschland verändert ihr Erscheinungsbild. Das geht aus dem neuen Bundeslagebild des Bundeskriminalamts (BKA) für das Jahr 2025 hervor. Neben klassischen Strukturen beobachten die Sicherheitsbehörden zunehmend jüngere und digital vernetzte Gruppen. Besonders aufmerksam verfolgt wird die Rekrutierung junger Menschen über soziale Medien sowie die zunehmende Bereitschaft zu Gewalt.
Nach Angaben des BKA wurden 2025 bundesweit 683 Ermittlungsverfahren wegen Organisierter Kriminalität geführt. Das waren 5,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt wurden 7.988 Tatverdächtige erfasst – der höchste Wert der vergangenen fünf Jahre.
Junge und digital vernetzte Strukturen
Neben klassischen, hierarchisch aufgebauten Gruppierungen treten zunehmend jüngere und teilweise lose organisierte Netzwerke in Erscheinung.
Soziale Medien und Messenger-Dienste dienen dabei unter anderem der Kommunikation, Vernetzung und Selbstdarstellung. In der medialen Berichterstattung werden einige dieser neuen Strukturen als „Gen-Z-Mafia“ bezeichnet.
Wichtig ist jedoch: „Gen-Z-Mafia“ ist keine offizielle BKA-Kategorie. Der Begriff wird vor allem von Medien verwendet, um jüngere, über soziale Netzwerke miteinander verbundene kriminelle Strukturen zu beschreiben.
Neue Betrachtung: „Türkeistämmige Organisierte Kriminalität“
Im Bundeslagebild 2025 bewertet das BKA erstmals die „Türkeistämmige Organisierte Kriminalität“ gesondert.
In diesem Zusammenhang wurden 18 Gruppierungen mit 139 Tatverdächtigen erfasst. Als relevante Deliktsbereiche werden unter anderem Geldwäsche und Gewalt genannt.
Dabei ist eine wichtige Unterscheidung erforderlich: Die 139 Tatverdächtigen dieser gesonderten Kategorie sind nicht identisch mit der Zahl türkischer Staatsangehöriger in allen OK-Verfahren.
664 türkische Staatsangehörige
In sämtlichen OK-Ermittlungsverfahren des Jahres 2025 wurden 2.722 deutsche, 664 türkische, 402 syrische, 281 albanische und 258 polnische Staatsangehörige als Tatverdächtige registriert.
Die Angaben beziehen sich auf die Staatsangehörigkeit und lassen keine unmittelbaren Rückschlüsse auf die ethnische Herkunft zu.
Mehr Waffen und schwere Gewalt
Auch die Entwicklung bei Schusswaffen und schwerer Gewalt gibt Anlass zur Sorge.
Im Zusammenhang mit OK-Ermittlungen wurden 2025 688 Schusswaffen sichergestellt. Im Vorjahr waren es 422. Ein erheblicher Teil des Anstiegs ist allerdings auf einen einzelnen großen Waffenfund zurückzuführen.
Erfasst wurden außerdem 15 versuchte und 20 vollendete Tötungsdelikte sowie 100 vollendete Körperverletzungen im Zusammenhang mit den OK-Ermittlungen.
Gewalt als Dienstleistung
Besondere Aufmerksamkeit gilt dem Phänomen „Violence-as-a-Service“ – Gewalt, die gewissermaßen auf Bestellung organisiert wird.
Dabei können Auftraggeber, Organisatoren, Waffenbeschaffer und ausführende Täter unterschiedliche Personen sein. Soziale Netzwerke und Messenger-Dienste können bei der Kontaktaufnahme und Rekrutierung eine wichtige Rolle spielen.
Nach den vorliegenden Erkenntnissen werden auch Minderjährige für solche Taten angeworben. In einzelnen Fällen wurde demnach eine Rekrutierung bereits ab 13 Jahren beobachtet.
Drogenhandel bleibt zentral
Der Rauschgifthandel bleibt ein wesentlicher Bereich der Organisierten Kriminalität.
Von den 683 OK-Verfahren im Jahr 2025 hatten 252 den Rauschgifthandel als Hauptdelikt. In 127 Verfahren stand Kokain im Mittelpunkt.
Insgesamt wurden 2025 in Deutschland 10,1 Tonnen Kokain sichergestellt. Davon entfielen 6,5 Tonnen auf Sicherstellungen in deutschen Häfen.
Das Erscheinungsbild der OK verändert sich
Das BKA beobachtet einen Wandel der Organisierten Kriminalität. Neben traditionellen, hierarchischen Strukturen gewinnen jüngere, flexiblere und digital vernetzte Netzwerke an Bedeutung.
Für die Sicherheitsbehörden bedeutet dies, dass neben klassischen kriminellen Organisationen auch kurzfristig gebildete Netzwerke und die Rekrutierung über soziale Medien stärker in den Fokus rücken.
Wichtiger Hinweis: Der Begriff „Gen-Z-Mafia“ ist eine mediale Bezeichnung und keine offizielle Kategorie des BKA. Das Bundeskriminalamt spricht im aktuellen Lagebild unter anderem von „Türkeistämmiger Organisierter Kriminalität“ und beschreibt den allgemeinen Wandel der Organisierten Kriminalität.
HamburgHaber / Redaktion

