Forschende der Hochschule Wismar entwickeln eine biologische Alternative zu chemischen Fungiziden. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt unterstützt das Projekt mit rund 175.000 Euro.
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OSNABRÜCK / WISMAR – Forschende der Hochschule Wismar arbeiten an einem neuen biologischen Verfahren zum Schutz von Nutzpflanzen vor Pilzbefall. Statt chemischer Fungizide sollen künftig spezielle Amöben eingesetzt werden.
Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das Projekt mit rund 175.000 Euro.
Einzeller sollen Pilzsporen bekämpfen
Pilzbefall gehört zu den wichtigsten Ursachen für Ernteausfälle in der Landwirtschaft. Nach Angaben der DBU zerstören Pilze weltweit jährlich zwischen 20 und 40 Prozent der Ernte.
Landwirtschaftliche Betriebe setzen zur Bekämpfung solcher Erkrankungen üblicherweise Fungizide ein. Vor allem chemische Wirkstoffe können jedoch Böden, Gewässer und die biologische Vielfalt belasten.
Forschende der Hochschule Wismar wollen deshalb eine Alternative auf Basis spezieller Amöben entwickeln. Projektleiter Prof. Dr. Falk Hillmann erklärt, dass die Einzeller Pilzsporen bereits im Entwicklungsstadium fressen und damit Ernteausfälle verhindern können.
Einsatz mit vorhandener Sprühtechnik
Ein wichtiger Vorteil des geplanten Verfahrens: Die Amöben sollen mit bereits vorhandener Standard-Sprühtechnik auf die Nutzpflanzen ausgebracht werden können.
Für die Lagerung sollen die Einzeller getrocknet und konzentriert werden. In diesem Zustand können sie laut Projektleitung mindestens vier Monate überleben. Nach der Zugabe von Wasser werden sie wieder aktiv.
Das soll Herstellung, Lagerung und Transport vereinfachen. In landwirtschaftlichen Betrieben könnten die Amöben mit Wasser versetzt und anschließend mit den bisher für Fungizide eingesetzten Sprühsystemen auf die Pflanzen gebracht werden.
Zunächst für Obst- und Gemüsebau vorgesehen
Zum Einsatz kommen sollen Amöben der Gattung Protostelium. Nach Angaben der DBU handelt es sich um natürliche Blattbewohner, die beispielsweise in Deutschland auf Buchen vorkommen.
Zunächst soll das Verfahren im Obst- und Gemüsebau eingesetzt werden. Auch der ökologische Landbau gehört zu den vorgesehenen Anwendungsbereichen.
Im Ökolandbau sind Pestizide grundsätzlich nicht zugelassen. In bestimmten Fällen werden jedoch insbesondere im Obstbau Kupfer- und Schwefelmischungen eingesetzt. Nach Einschätzung der Forschenden könnten Amöben dazu beitragen, Ernteausfälle im ökologischen Landbau auf schonende Weise zu reduzieren.
System für größere Flächen soll entwickelt werden
Die grundsätzliche Wirksamkeit der Einzeller gegen Pilzbefall haben Hillmann und sein Team nach eigenen Angaben bereits in jahrelanger Vorarbeit untersucht.
Mit der DBU-Förderung soll nun ein System entwickelt werden, mit dem die Amöben auch auf größeren landwirtschaftlichen Flächen eingesetzt werden können.
Kooperationspartner des Projekts ist die E-Nema GmbH aus Schleswig-Holstein. Perspektivisch ist nach Angaben des Forschungsteams auch ein Einsatz in weiteren Bereichen der Landwirtschaft denkbar.
Quelle: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

